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Bodenversiegelung – ein Überblick

Was ist Bodenversiegelung?

Bodenversiegelung bezeichnet die wasserdichte und luftdichte Abdeckung des natürlichen Bodens durch Bebauung, Asphaltierung, Betonierung oder Pflasterung. Sie zählt zu den folgenreichsten Eingriffen in das Ökosystem Boden.

Regenwasser kann nicht mehr versickern, das Grundwasser wird nicht mehr aufgefüllt und bei Starkregen steigt das Überschwemmungsrisiko erheblich. Dazu kommt der sogenannte Wärmeinseleffekt in Städten - versiegelte Flächen absorbieren Sonnenwärme und heizen das Stadtklima auf.

Aktueller Stand der Bodenversiegelung in MV

Mecklenburg-Vorpommern besitzt eine Gesamtfläche von 2,3 Millionen Hektar dessen Flächennutzung grob wie folgt gegliedert wird:

  • 61,7% landwirtschaftliche Nutzung
  • 21,2% Wald
  • 5,7% Wasserflächen
  • 8,6% Siedlungs- und Verkehrsfläche

Im bundesweiten Vergleich hat MV damit den geringsten Anteil an Siedlungs- und Verkehrsfläche. Von diesen 8,6% sind aber nicht alle Flächen tatsächlich versiegelt - Parks, Gärten und Grünflächen zählen auch dazu.
Der tatsächlich versiegelte Anteil innerhalb dieser Fläche wird für MV auf rund 43,5% geschätzt - das bedeutet das knapp die Hälfte der Siedlungs- und Verkehrsfläche mit Asphalt, Beton oder Pflastersteinen bedeckt sind.

In absoluten Zahlen der versiegelten Fläche im Verhältnis zur Gesamtfläche liegt M-V mit ca. 3,5% an letzter Stelle. NRW liegt z.B. bei 10,9%.

Wachstum der versiegelten Flächen

Obwohl der Versiegelungsgrad vergleichsweise niedrig ist, wächst die Siedlungs- und Verkehrsfläche in MV kontinuierlich.

Im Jahr 2020 wurden täglich rund 1,4 Hektar neue Flächen für Siedlungs-, Industrie-, Gewerbe- und Verkehrszwecke umgewidmet. Dies liegt zwar bundesweit gesehen unter dem Durchschnitt, ist aber einwohnerbezogen überdurchschnittlich hoch: MV verbraucht etwa 3 m² pro Einwohner und Tag.

Städtische Hotspots in MV

Waren (Müritz)

Versiegelungsgrad: ~62%

Waren (Müritz) ist bundesweit auf Platz 6

Güstrow

Versiegelungsgrad: ~53%

Hier gibt es auch einen hohen Anteil an Gewerbegebieten

Besonders auffällig ist Waren (Müritz). Hier erklärt sich der hohe Versiegelungsgrad vor allem durch stark versiegelte Gewerbegebiete am Stadtrand, die innerhalb der Siedlungsgrenzen liegen und in die Auswertung mit einbezogen werden.

Folgen der Bodenversiegelung

Die Versiegelung von Böden hat tiefgreifende ökologische und klimatische Konsequenzen, die sich besonders in einer Zeit häufigerer Extremwetterereignisse verschärfen:

  • Wasserhaushalt: Regenwasser kann auf versiegelten Flächen nicht versickern. Das Grundwasser wird nicht aufgefüllt, die Kanalisation wird bei Starkregen überlastet und lokale Überschwemmungen nehmen zu.
  • Wärmeinseleffekt: Asphalt und Beton absorbieren Sonnenwärme und geben sie nachts ab. Städte heizen sich stärker auf als ihr Umland was zunehmend im Sommer zu einem Problem wird.
  • Biodiversitätsverlust: Versiegelte Böden bieten weder Pflanzen noch Bodenlebewesen Lebensraum. Bodenfauna, Bestäuber und Bodenbiologie gehen zugrunde.
  • Bodenfruchtbarkeit: Dauerhaft von Luft und Wasser abgeschlossene Böden verlieren ihre Fruchtbarkeit irreversibel. Einmal zerstörter Boden ist nicht wiederherstellbar.
  • Klimafolgen: Versiegelte Flächen können kein Wasser verdunsten und tragen damit nicht zur Kühlung bei. Gleichzeitig entfällt die CO2-Bindung durch Vegetation und Humus.

In MV kommen spezifische Risiken hinzu: Laut Untersuchungen des LUNG MV sind 9% der Böden stark und 30% sehr stark verdichtungsgefährdet. Diese Böden sind besonder anfällig für Wassererosion und Strukturschäden durch Versiegelung.

Ziele der Bodenentsiegelung in MV und Deutschland

Bundesweite Ziele

Die Bundesregierung hat im Rahmen der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie das Ziel festgelegt, den täglichen Zuwachs der Siedlungs- und Verkehrsfläche bis 2030 auf unter 30 Hektar zu begrenzten (aktuell: ca. 52ha/Tag bundesweit). Parallel dazu sollen bestehende versiegelte Flächen aktiv entsiegelt werden. Insbesondere geht es hier um Brachflächen, aufgelassene Gewerbegebiete und nicht mehr benötigte Verkehrsflächen.

Landesspezifische Ziele in MV

Das Bodenschutzprogramm Mecklenburg-Vorpommern (3-teilig, koordiniert durch das Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt sowie das LUNG MV) setzt folgende Schwerpunkte:

Zielbereich

Maßnahmen und Ziele

Flächensparen

Reduktion der täglichen Flächenneuinanspruchnahme; Vorrang der Innenentwicklung (Lückenschluss, Nachverdichtung) vor Außenentwicklung; Reaktivierung von Brachflächen

Bodenfunktionsbewertung

Seit 2018 flächendeckende Bodenfunktionsbewertung durch LUNG MV; Böden werden nach ihrer ökologischen Schutzwürdigkeit bewertet; Hochwertige Böden sollen bei Planungs- und Genehmigungsverfahren besonders geschützt werden

Entsiegelung

Aktive Entsiegelung nicht mehr benötigter Flächen (z.B. Militärbrachen aus der NVA-Zeit, aufgelassene Hofstellen, zurückgebaute Plattenbaugebiete). Förderinstrumente des Landes unterstützen solche Projekte.

Bewusstsein & Beratung

Aufbau eines „Bodenbewusstseins“ in der Bevölkerung und bei Planungsträgern; Schulungsmaterial und Demonstrationsbetriebe für bodenschonende Landwirtschaft.

Rechtliche Verankerung

Das Landesbodenschutzgesetz MV (LBodSchG M-V, 2011) verpflichtet Kommunen, Bodenschutzbelange in Bauleitplanung und Genehmigungsverfahren zu berücksichtigen. Zuständige Behörden sind die Landräte und Oberbürgermeister der kreisfreien Städte.

Quellen und weiterführende Informationen

https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltzustand-trends/flaeche-boden-land-oekosysteme/boden/bodenversiegelung
https://www.mv-tut-gut.de/ueber-das-land-zum-leben/daten-und-fakten
https://www.statistikportal.de/de/ugrdl/ergebnisse/flaeche-und-raum/ffsv
https://www.regierung-mv.de/Landesregierung/lm/Umwelt/Boden/Bodenschutz/Bodenschutzprogramm
https://www.gdv.de/gdv/medien/medieninformationen/versiegelungsstudie-ludwigshafen-ist-die-am-staerksten-versiegelte-stadt-in-deutschland--133126
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1262157/umfrage/versiegelte-und-unversiegelte-siedlungs-und-verkehrsflaeche-je-bundesland/
https://www.lung.mv-regierung.de/fachinformationen/boden/

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