Bodenversiegelung – ein Überblick
Was ist Bodenversiegelung?
Bodenversiegelung bezeichnet die wasserdichte und luftdichte Abdeckung des natürlichen Bodens durch Bebauung, Asphaltierung, Betonierung oder Pflasterung. Sie zählt zu den folgenreichsten Eingriffen in das Ökosystem Boden.
Regenwasser kann nicht mehr versickern, das Grundwasser wird nicht mehr aufgefüllt und bei Starkregen steigt das Überschwemmungsrisiko erheblich. Dazu kommt der sogenannte Wärmeinseleffekt in Städten - versiegelte Flächen absorbieren Sonnenwärme und heizen das Stadtklima auf.
Aktueller Stand der Bodenversiegelung in MV
Mecklenburg-Vorpommern besitzt eine Gesamtfläche von 2,3 Millionen Hektar dessen Flächennutzung grob wie folgt gegliedert wird:
Im bundesweiten Vergleich hat MV damit den geringsten Anteil an Siedlungs- und Verkehrsfläche. Von diesen 8,6% sind aber nicht alle Flächen tatsächlich versiegelt - Parks, Gärten und Grünflächen zählen auch dazu.
Der tatsächlich versiegelte Anteil innerhalb dieser Fläche wird für MV auf rund 43,5% geschätzt - das bedeutet das knapp die Hälfte der Siedlungs- und Verkehrsfläche mit Asphalt, Beton oder Pflastersteinen bedeckt sind.
In absoluten Zahlen der versiegelten Fläche im Verhältnis zur Gesamtfläche liegt M-V mit ca. 3,5% an letzter Stelle. NRW liegt z.B. bei 10,9%.
Wachstum der versiegelten Flächen
Obwohl der Versiegelungsgrad vergleichsweise niedrig ist, wächst die Siedlungs- und Verkehrsfläche in MV kontinuierlich.
Im Jahr 2020 wurden täglich rund 1,4 Hektar neue Flächen für Siedlungs-, Industrie-, Gewerbe- und Verkehrszwecke umgewidmet. Dies liegt zwar bundesweit gesehen unter dem Durchschnitt, ist aber einwohnerbezogen überdurchschnittlich hoch: MV verbraucht etwa 3 m² pro Einwohner und Tag.
Städtische Hotspots in MV
Waren (Müritz)
Versiegelungsgrad: ~62%
Waren (Müritz) ist bundesweit auf Platz 6
Güstrow
Versiegelungsgrad: ~53%
Hier gibt es auch einen hohen Anteil an Gewerbegebieten
Besonders auffällig ist Waren (Müritz). Hier erklärt sich der hohe Versiegelungsgrad vor allem durch stark versiegelte Gewerbegebiete am Stadtrand, die innerhalb der Siedlungsgrenzen liegen und in die Auswertung mit einbezogen werden.
Folgen der Bodenversiegelung
Die Versiegelung von Böden hat tiefgreifende ökologische und klimatische Konsequenzen, die sich besonders in einer Zeit häufigerer Extremwetterereignisse verschärfen:
In MV kommen spezifische Risiken hinzu: Laut Untersuchungen des LUNG MV sind 9% der Böden stark und 30% sehr stark verdichtungsgefährdet. Diese Böden sind besonder anfällig für Wassererosion und Strukturschäden durch Versiegelung.
Ziele der Bodenentsiegelung in MV und Deutschland
Bundesweite Ziele
Die Bundesregierung hat im Rahmen der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie das Ziel festgelegt, den täglichen Zuwachs der Siedlungs- und Verkehrsfläche bis 2030 auf unter 30 Hektar zu begrenzten (aktuell: ca. 52ha/Tag bundesweit). Parallel dazu sollen bestehende versiegelte Flächen aktiv entsiegelt werden. Insbesondere geht es hier um Brachflächen, aufgelassene Gewerbegebiete und nicht mehr benötigte Verkehrsflächen.
Landesspezifische Ziele in MV
Das Bodenschutzprogramm Mecklenburg-Vorpommern (3-teilig, koordiniert durch das Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt sowie das LUNG MV) setzt folgende Schwerpunkte:
Quellen und weiterführende Informationen
https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltzustand-trends/flaeche-boden-land-oekosysteme/boden/bodenversiegelung
https://www.mv-tut-gut.de/ueber-das-land-zum-leben/daten-und-fakten
https://www.statistikportal.de/de/ugrdl/ergebnisse/flaeche-und-raum/ffsv
https://www.regierung-mv.de/Landesregierung/lm/Umwelt/Boden/Bodenschutz/Bodenschutzprogramm
https://www.gdv.de/gdv/medien/medieninformationen/versiegelungsstudie-ludwigshafen-ist-die-am-staerksten-versiegelte-stadt-in-deutschland--133126
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1262157/umfrage/versiegelte-und-unversiegelte-siedlungs-und-verkehrsflaeche-je-bundesland/
https://www.lung.mv-regierung.de/fachinformationen/boden/


